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Freitag, 20. April 2012

Tag 40: Von Orth nach Hainburg an der Donau - 22Km

Donnerstag, 19.04.2012

Die kürzeste Verbindung zwischen 2 Punkten ist die Gerade.

Heute sind wir das längste Stück das ich jemals geradeaus gelaufen bin gegangen. Über 14Km ohne auch nur die kleinste Kurve. Als wir uns nach 3h umdrehten, sahen wir noch immer den Punkt an dem wir gestartet sind. Auch nach vorne war kein Ende in Sicht. Und dann kommt auch noch eine nicht endende Linkskurve.

Es ist tatsächlich nichts passiert. Ab und zu fuhren Radfahrer an uns vorbei. Wir haben wenigstens die Vögel zwitschern gehört. Ich glaube die Radfahrer hörten in ihrer Eile nur den lauten Wind der ihnen um die Ohren pfiff.

Als wir Hainburg erreichten habe ich mir, wieder einmal, die Touristeninformation zu nutzen gemacht.
In dem Moment wo ich den Raum betrete kommt mir ein junger Mann entgegen. Er fragt mich, ob ich den Jakobsweg gehe. Ich sagte nein und wir kamen in's Gespräch.
Er ist gerade mit dem Kanu unterwegs. In Ulm gestartet, paddelt er bis nach Istanbul.
Zum Abschied sagt er "Bis bald - Wir treffen und sicher noch einmal." Das sagte er mit solch einer Gewissheit, dass ich sehr gespannt bin wann und wo ich ihn wiedersehen werde.

Die Dame vom Touristenbüro hatte unser Gespräch schon gespannt verfolgt.
Auf meine Anfrage nach einer Kostenfreien Übernachtung wusste sie genau wen sie anrufen muss.
Und tatsächlich. Gleich der erste Anruf hat gepasst.

Die Dame bei der ich heute unterkomme, arbeitet ebenfalls für die Gemeinde. Sie ist in der Bibliothek tätig, und im ganzen Ort bekannt, da sie gern öfters Gäste aufnimmt.
Außerdem singt sie im Kirchenchor, und da erzählt sie immer wen sie so grad als Gast hat.
Nicht selten wird sie dabei etwas belächelt.
Zu ihren Gästen zählten unter anderem 17 Pfadfinder (gleichzeitig) und der amtierende Präsident von Niger.

Ich verabschiede mich nun von Andreas. 2 Tage ist er mit mir mit gewandert, war er Teil meines Nomaden Lebens.
Ihm hat es sehr gefallen. Und so hatten wir beide eine sehr gute Zeit zusammen.
Er macht sich auf den Weg zum Bahnhof um den nächsten Zug zurück nach Wien zu nehmen - Ich mache mich auf den Weg zu meiner Unterkunft.

Zu Hause angekommen, muss die Dame des Hauses leider noch einmal für 2h in die Bibliothek zum arbeiten.
Ich bin in der Zeit mit ihrem Mann allein.
Er hat seit 12 Jahren Parkinson und versteht sehr gut was ich mache. "Reise! - Mach das solange Du gesund bist!" erzählt er mir.
Wer kann das besser wissen als er?
Er hat von vielen sagen gehört, dass sie gewisse Dinge machen wollen wenn sie in Rente sind, denn dann haben sie die Zeit dafür. Doch was, wenn es dann aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr geht?

Er fragt mich, ob ich schon auf dem Braunsberg war.
Von dort oben hat man eine wunderschöne Aussicht schwärmt er. Ich sage daraufhin dass ich heut sicher keinen Berg mehr hinauf laufe. "Dann fahren wir eben" meint er.
"Kannst Du fahren?" frag ich ihn - "Ja klar, bin ja nicht amputiert!" sagt er, und wir lachen beide herzlich.
Er hat Frieden mit seiner Krankheit geschlossen.
Ich denke das ist der beste Weg damit umzugehen.
Es einfach akzeptieren und das beste daraus machen.

Hainburg ist die östlichste Stadt Österreichs.
Früher, vor etwas mehr als 20 Jahren, war dort mit dem Eisernen Vorhang die "Welt zu Ende".
Dahinter kam dann nur noch das große Unbekannte.

Nachdem ich Österreich nun einmal von West nach Ost durchquert habe, geht es morgen in das 3. Land meiner Reise.
Ich bin gespannt auf die Slowakei.

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