Samstag, 17. November 2012
Tag 218: Von Marinka nach Krushevets - 17Km (2433Km)
Sonntag, 14.10.2012
Und weiter nach Süden. Auf der selben Straße welche mich immer näher an die nächste Grenze bringt.
Das Wetter könnte besser kaum sein, 19°c, Sonnenschein.
Doch es ändert sich schnell. Ich gönne mir nach 17Km einen frühen Feierabend. Dunkle Wolken sind aufgezogen und es war nur eine frage der Zeit bis es anfängt zu schütten.
In Krushevets leiten mich Bars und Gaststätten an eine Adresse im Ort weiter. Ein großes weißes Haus. Es ist tatsächlich nicht zu übersehen und muss sich zweifelsohne um ein Hotel oder ähnliches halten.
Dort angekommen werde ich jedoch in weniger als 20sec. weggeschickt. Eine Dame schaut mich nur sehr verwundert an.
Ich komme garnicht dazu etwas zu sagen.
Bin sprachlos. Seit langer Zeit mal wieder.
Die Suche geht also weiter.
An einem weiteren Restaurant angekommen frage laut in die Runde ob jemand englisch spricht.
20 Finger zeigen auf einen unscheinbaren Mann hinten in der Ecke.
Dieser murmelt zwar nein nein, kommt dann aber nach 3 min. nach vorne und wir unterhalten uns.
Ich sage ihm dass ich einen Schlafplatz suche.
Er lädt mich auf einen Kaffe ein und sagt ich solle hier 10min. warten.
Er setzt sich aufs Motorad und verschwindet.
Wohin er fährt und was weiter passiert weiß ich nicht.
Ich trinke also erstmal allein meinen Kaffe...
Nach kurzer Zeit kam er zurück und zeigte mir den Daumen nach oben.
Ein Zimmer ist gefunden. Und es befindet sich nur 5 Gehminuten entfernt.
Viel mehr hätten es nicht sein dürfen denn sofort nachdem wie dort ankommen beginnt es zu regnen. Heftig.
Perfektes timing.
Meinen Schlafplatz ist ein Übernachtungslager für Saison Feldarbeiter. Im Sommer sind diese hier für einige Monate untergebracht. Nach getaner Arbeit ziehen sie weiter.
So auch ich.
Arbeiten werde ich nicht. Die Saison ist längst vorbei.
Daher geht es auch gleich am nächsten Tag weiter...
Tag 217: Von Burgas nach Marinka - 19Km (2416Km)
Samstag, 13.10.2012
Nach einem schnellen Frühstück geht es kurz nach 12Uhr weiter. Ich folge der kleinen Strasse welche direkt nach Süden führt und erreiche nach gemütlichen 5h und 19Km den Ort Marinka.
Als ich den Ort betrete lese ich eine große Reklame welche an einem Haus angebracht ist.
Es handelt sich um eine Art Landschaftsbau Gewerbe.
Das wichtigste an der Werbung ist ein kleiner Nachsatz:
Wir sprechen englisch und bulgarisch.
Ich klingel an der Tür. Mick öffnet.
Ich erzähle ihm meine Geschichte und frage lediglich ob er mir helfen kann jemanden im Ort zu finden bei dem ich bleiben kann.
Er spricht mit seiner Frau. Ich werde hereingebeten und bekomme eine Tasse Kaffe.
Sie sagen dass sie draußen im Garten einen Caravan haben den sie nicht benötigen und bieten mir an dass ich dort drin schlafen kann.
Ich nehme eine Dusche und Ruhe mich etwas aus.
Mick ist aus England. Seine Frau hat er hier in Bulgarien beim Skiurlaub kennengelernt.
Er arbeitet immer von Anfang März bis Ende September in England und kommt erst dann nach Bulgarien zu seiner Familie zurück.
Und er hat eine wundervolle Familie mit großartigen Kindern.
Die kleinste sitzt auf dem 3-Rad, ihre Füße reichen kaum an die Pedalen heran. Mit den Zehenspitzen tritt sie ganz leicht dagegen und das ganze Gesicht verwandelt sich in ein einziges Lachen.
Schau Papi, schau ich fahre, sagt sie.
Seine Frau hat in der Zwischenzeit ein wunderbares Abendessen gezaubert welches wir uns nun schmecken lassen.
Nach 1ner Woche im Kloster und dem gestrigen Hostel Aufenthalt genieße ich es wieder ein Teil einer Familie zu sein...
Montag, 12. November 2012
Tag 216: Von Pomorie nach Burgas - 19Km (2397Km)
Freitag, 12.10.2012
Diesmal machte ich nicht wieder den selben Fehler eine große Strecke nach einer langen Pause zurück zu legen.
Als ich vor 3 Wochen von Vama Veche wieder aufgebrochen bin, legte ich nach fast 2 Wochen Pause, am 1. Tag gleich 27Km zurück. Das war zu viel, denn anschließend Tat mein Fuß sehr weh.
Heute waren es bis Burgas lediglich 19Km.
Das war einfach zu schaffen.
Ich hatte mir am Vorabend im Kloster noch die Anschrift eines Hostels in Burgas herausgesucht. Dort bin ich auch direkt ohne Umwege hin gesteuert.
Vitco, der Inhaber des Hostels nimmt mich kostenfrei auf.
Ich stelle meinen Rucksack ab und erkundige ein wenig die Stadt.
Burgas ist hübsch. Sehr viele Parks, direkt am Meer. Gut zum entspannen.
Am Abend komme ich geschafft zurück und will nur noch ins Bett.
Zum schlafen komme ich leider nicht. Draußen läuft laute Musik, Menschen reden laut auf der Strasse (es ist Freitag Nacht) und im Zimmer sind sehr viele Mücken welche mich einfach nicht schlafen lassen.
Ich greife zum Handy und surfe etwas im Internet und auf Facebook. Ich entdecke ein Bild von einem Film welchen ich sehr lange nicht gesehen habe. Zu meiner Überraschung finde ich den Film in voller Länge auf Youtube. Ich verkrieche mich also unter die Bettdecke um mich vor den Mücken zu verstecken und schaue mir den Film an.
Im Anschluss daran merke ich dass ich garnicht mehr müde bin und schaue noch einen weiteren Film.
Als ich auf die Uhr schaue ist es bereits 5:20Uhr.
Ich ziehe die Bettdecke auf und die Mücken sind weg.
Wahrscheinlich haben sie sich inzwischen an den anderen 2 Menschen hier im Raum mit Blut vollgesaut und sitzen irgendwo in einer Ecke.
Ich hatte eine wunderbare Nacht, mache die Augen zu und schlafe bis 11:30Uhr.
Donnerstag, 8. November 2012
Tag 210 - Tag 215: Ruhetag Pomorie - St. Georgi Kloster (2378Km)
Samstag, 06.10.2012 - Donnerstag, 11.10.2012
Huiii, wie die Zeit vergeht. Über 4 Wochen keinen Blog geschrieben.
Was ist also in der Zeit alles passiert?
Ich habe die Zeit sehr genossen.
Zunächst habe ich noch 6 weitere Tage in dem St. Georgi Kloster verbracht. Dann fand ich kurz vor der Türkischen Grenze eine Dame mit einem 15Kg schweren Rucksack bewaffnet auf dem Weg zu Fuß nach Istanbul.
Gemeinsam haben wir die Türkei, das 7. Land meiner Reise erreicht und sind nun gesund und munter in Istanbul angekommen...
Aber ganz von vorn.
Ich verbringe also noch weitere 6 wundervolle Tage in diesem Kloster.
Es handelt sich um ein Kloster aus dem 16. Jahrhundert welches verhältnismäßig vermögend ist. Dadurch das es sehr nah am Meer liegt, kommen viele Besucher vorbei welche dem Kloster Geld spenden.
Normalerweise sind Klöster sehr abgeschieden, weit weg und außerhalb von Ortschaften. Diese Klöster sind jedoch sehr Arm weil sich kaum ein Besucher dorthin verirrt.
Das St. Georgi Kloster spendet daher regelmäßig große Summen an umliegende, arme Klöster.
Das Zentrum bildet eine Heilige Quelle im Glockenturm der heilende Wirkung zugesprochen wird. Im laufe der Zeit sind etliche Menschen von ihren Krankheiten erlöst worden nachdem sie von diesem Wasser getrunken haben. Was uns gleich zum nächsten Punkt bringt.
Es ist Süßwasser. Und das obwohl der Ort nur 1m über dem Meeresspiegel liegt und alle anderen Quellen herum Salzwasserquellen sind. Und niemand weiß wo das Wasser herkommt.
Ist doch merkwürdig oder?
Ich probiere natürlich ebenfalls von der Quelle. Zu meiner Überraschung sind meine Schmerzen im Fuß nun vollständig weg. Ich spiele ausgelassen mit den MönchenTennis im Hof des Klosters.
Das ist sehr witzig da der Boden viele Wellen hat und man nie weiß wie der Ball springt.
Das Kloster ist jedoch auch für seinen hervorragenden Wein und dem Brandy bekannt welcher hier gebraut wird.
1/3 des Einkommens stammt aus dem Verkauf von Wein und Brandy.
Es war tatsächlich gerade ein Besucher da der wortwörtlich sagte: "Ich hatte vor ca. 20 Jahren mal eine Flasche Brandy hier gekauft. Macht ihr den immer noch?".
Während der beiden Weltkriege wurde das Kloster als Hospital genutzt. Es wurde nie eine Kugel auf das Kloster oder innerhalb des Klosters abgefeuert.
Da es draußen derzeit wieder verrückt zugeht (seit 3 Tagen ist die Türkei wohl offiziell mit Syrien im Krieg) fühle ich mich hier also sehr sicher.
In den kommenden Tagen helfe ich dem russischen Restaurierter und Maler dabei eine alte Quelle im Kloster zu restaurieren. Und wir besuchen ein altes Grab welches ganz in der Nähe des Klosters ist.
Die Tage vergehen.
Jeden Tag verließ ich für eine gewisse Zeit das Kloster um mich auf eine Bank in der Nähe eines Hotels aufzuhalten welches WiFi aussendete.
Ich genoss die Sonne und den Blick auf das Meer. Beobachtete die Fischer wie sie mit ihren Booten den Hafen verließen und am Abend, kurz vor Einbruch der Dunkelheit, mit ihren Fängen zurück kamen.
Ich nutzte die Zeit auch wieder um zu Schreiben und um allein zu sein, meine Reise zu verarbeiten, Erinnerungen zu vergraben um sie später bei verlangen wieder hervorzuholen.
Meine Zeit hier in Pomorie geht zu Ende.
Am Abend des 7. Tages packe ich meinen Rucksack. Morgen früh will ich weiter.
Da steht er nun. Schwer beladen.
Und mir fällt alles wieder ein...
Mein Traum nach Tibet zu gehen,die Suche nach dem Abenteuer, die Freiheit...
Ich hätte hier im Kloster bleiben können. Für eine weitere Woche, einen Monat, ein Jahr.
Den Mönchen bei der täglichen Arbeit helfen, denn davon gibt es genug...
Holz für den Winter Hacken, die Weinfelder bewirtschaften, bei der Restauration helfen...
Ich fühle mich sehr einsam. Gern würde ich mit jemanden darüber reden.
Täglich schlagen neue Syrische Granaten auf Türkischer Seite ein. Doch ich möchte weiter reisen.
Die Mönche begeistern sich sehr für meine Reise, können jedoch nicht verstehen warum ich die Strapazen auf mich nehme.
Sie würden mich sehr gern hier behalten.
Und viele meiner Freunde verstehen sehr viel von Sicherheit jedoch nichts von Risiken.
Die Entscheidung muss ich alleine treffen da ich mit niemanden darüber reden kann.
Was jetzt?
Ich bin dankbar einen weiteren Ort gefunden zu haben an den ich jederzeit zurückkehren kann.
Ab in den Süden. Es wird kalt...
Montag, 15. Oktober 2012
Tag 209: Von Sunny Beach nach Pomorie - 17Km (2378Km)
Freitag, 05.10.2012
Robin muss sehr früh weg da er etwas in Burgas zu erledigen hat. Wir frühstücken noch eine Kleinigkeit gemeinsam dann verabschieden wir uns.
Er lässt mich allein in seinem Appartement.
Und das, nachdem er schon sehr viele schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht hatte wie er mir erzählte.
Er wurde von von einer Dame hier in seiner Wohnung bestohlen und ist auch schon einmal auf der Strasse zusammengeschlagen und ausgeraubt worden.
Und trotzdem hat er sein Vertrauen in die Menschen nicht verloren.
Ich möchte seinen Glauben und sein Vertrauen in die Menschheit haben.
Ich möchte die Fähigkeit haben welche es ihm ermöglicht mir, nach all dem was ihm widerfahren ist, so zu Vertrauen.
"Take it easy but take it anyway" waren seine Worte zum Abschied.
Ich bedanke mich sehr für seinen Vertrauensbeweis.
Gerne hätte ich noch etwas gesagt doch passende Worte fielen mir in dem Augenblick nicht ein.
Ich reiste heute zum 15Km entfernten Kloster St. Georgi im Ort Pomorie. Den Tipp bekam ich von einem Facebook Freund.
Doch zuvor, auf dem direkten Weg dorthin liegt die wunderschöne alte Stadt Nessebar. Diese ist Unesco Welt Kulturerbe.
Die Geschichte dieser Stadt geht bis auf das 5. Jahrhundert vor Christi zurück wo sie von Griechen besiedelt wurde.
Ich verbringe dort einige Zeit, schlendere durch die kleinen Gassen und schaue mir die alten Gebäude an.
Ich erfahre dass ein recht großer Teil der Stadt viel weiter draussen im Meer war und bereits unter Wasser liegt.
Nach einer ausgiebigen Pause mache ich mich anschließend weiter auf den Weg nach Pomorie zum Kloster.
Dort werde ich sehr herzlich empfangen. Einer der 4 Mönche welche hier leben spricht sehr gut englisch.
Ich freue mich auf den Austausch mit ihm.
Zum Abendessen gibt es Fisch. Ich bin mir nicht sicher. Vielleicht war es ein Wal. Jedenfalls ist er riesig und sehr lecker.
Ich kam beim gemeinsamen Abendessen mit einem russischen Künstler ins Gespräch.
Vladimir lebt hier im Kloster und hat seit 1nem Jahr auch sein Atelier hier. Er verdient mit den Gemälden sein Geld und er hilft den Mönchen bei der Restauration des Klosters.
In Russland ist es Tradition nach dem Abendessen eine Tasse schwarzen Tee zu trinken wozu er mich herzlich eingeladen hat.
Bei russischer Musik und gutem Tee sitzen wir bis spät in die Nacht in seinem Zimmer und unterhalten uns, schweigen gemeinsam und bewundern seine Bilder...
Dienstag, 9. Oktober 2012
Tag 206: Von Gyulyovtsa nach Sunny Beach - 19Km (2361Km)
Dienstag, 02.10.2012
Wieder eine eMail von meiner Facebook Freundin Leanne.
Ein weiterer Couchsurfing Gastgeber hat sich gemeldet und mich nach Sunny Beach eingeladen.
Es ist nur 19Km entfernt und somit das Ziel des heutigen Tages.
Zur besseren Absprache hat sie ihm noch meine Telefonnummer mitgeteilt.
Ich baue also mein Zelt ab und wasche mich etwas an der Quelle
Dann esse ich noch die Reste von gestern und los geht's.
Noch nicht aus dem Ort draußen überholen mich 2 schwer bepackte Radfahrer. Das sieht man in dieser Gegend nicht all zu oft.
"How is going?" frage ich laut. Die beiden bleiben stehen und wir beginnen eine angeregte Unterhaltung.
Anita und Stuart sind aus England und wollen mit dem Rad nach Indien. Bisher sind sie seit 3 Monaten unterwegs. Über 30min. unterhalten wir uns und tauschen Reiseerfahrungen und Geschichten aus.
2 Frohnaturen vor dem Herren. Wir lachen bis es weh tut.
Ihre Reise könnt Ihr hier verfolgen:
www.stunita.co.uk
Wir verabschieden uns und wünschen uns alles Gute für unsere weitere Reise.
3 Tage später haben sie schon das 400Km entfernte Istanbul erreicht...
Es klingelt grad das Telefon.
Robin, mein heutiger Gastgeber ist dran.
Ich befinde mich gerade mitten im großen Nichts zwischen den Ortschaften. Er spricht sehr leise. Fast geheimnisvoll.
"Wo befindest Du Dich gerade?" fragt er. Ich sage, "Keine Ahnung wo ich genau bin, aber ca. 4h von Sunny Beach entfernt."
Es ist kurz still am anderen Ende.
Dann fährt er fort: "In Sunny Beach gibt es eine Bar, Jacks Bar. Wir treffen uns um 16Uhr dort. Ich werde auf der Terrasse sitzen.
Du erkennst mich daran dass ich einen Comic mit dem Namen "The Sun" bei mir haben werde. "
Klingt wie eine Szene aus einem Krimi?
Das passt! Er ist Schriftsteller.
Er fragt mich wie er mich erkennt.
Zu seinem Unverständnis muss ich laut lachen.
Ich sage ich habe einen Rucksack dabei der meinen Kopf übersteigt.
Davon sind nicht so viele in dem Café.
Jetzt muss auch er lachen.
Seine Stimme ändert sich, wird fröhlicher.
Er sagt es war nur ein Scherz, er nimmt Leute gern am Telefon aufs Korn...
Das ist sein schwarzer Humor.
Robin ist fantastisch. Er ist 68, kommt aus Irland und ist wie erwähnt Schriftsteller und zusätzlich freier Journalist.
Und er ist nicht gerne allein. Deshalb lädt er gern, und auch häufig, Couchsurfer zu sich ein.
Viele schmeißt er sehr bald wieder raus da sie nur herkommen um sich eine schöne Zeit am Strand zu machen, sich zu betrinken, das ganze Haus aufwecken wenn sie wieder zurück kommen nur um dann gleich wieder zu verschwinden.
Ich bin froh dass ich nicht in dieses Profil passe und 3 Tage bei ihm bleiben darf. Wir kommen super aus.
Das er länger alleine war hat seine Spuren hinterlassen wie er mir berichtet. Er hat sich einige schlechte Gewohnheiten angeeignet.
Er schreibt die ganze Nacht an seinem Buch bis es hell wird. Erst dann geht er zu Bett.
Wie lange er schon allein lebt, frage ich.
Er wendet seinen Blick hinaus aus dem Fenster.
Lange Stille. Ich fühle mich etwas unangenehm und bin mir nicht sicher ob es eine gute Idee war, diese Frage, so zu stellen.
Sehr langsam kommt sein Blick von ganz weit her zurück ins Zimmer.
Er schaut mich an, und beginnt zu erzählen.
Seine Frau ist vor 3 Jahren an Krebs gestorben.
Sie war in einer Kuranstalt als die Ärzte ihr sagten dass sie nur noch 9 Monate zu leben hätte.
Daraufhin hat Robin seine Frau aus der Klinik rausgeholt.
Alle Ärzte haben ihnen davon abgeraten.
In ihrer Situation wäre es das beste wenn sie in ruhe gelassen und nicht irgendwelchen Stress und Strapazen ausgesetzt wird, sagte man ihnen.
Doch beide waren sich einig dass sie nicht in der Kuranstalt sterben wollte. Nicht so.
Also verliessen sie die Kur und fingen an zu reisen.
Indien, Asien, Australien, Canada, Südamerika...
Die Liste ist lang und es gibt nur wenige Länder wo sie nicht waren.
Sie lebte noch 1 Jahr und 2 Monate. Und sie haben das beste aus dieser Zeit gemacht. Jeden Tag.
Sie haben gelebt. Gemeinsam.
Ich bin überwältigt. Er gab seiner Frau das größte Geschenk was man jemandem geben kann.
Liebe und Zeit. Die Freude am Leben zu sein.
"Wenn man jeden Tag lebt, als wäre es der letzte, wird man eines Tages damit recht haben."
Wieder sitzen wir lange Zeit in der Stille...
Unsere Blicke gehen in's leere...
An den kommenden beiden Tagen finden wir viele Gesprächsthema.
Durch seine Tätigkeit als Journalist hat Robin viele Freunde. International.
Wir, Robin und ich, können über alles reden Politik, Religion...
Er hat Freunde in China.
Wenn er eMails mit ihnen schreibt oder mit ihnen telefoniert sind diese Themen Tabu.
Zum Schutz seiner Freunde.
So selbstverständlich wie unsere Freiheit ist, ist sie also garnicht.
Nicht für alle Menschen auf der Welt...
Montag, 8. Oktober 2012
Tag 205: Von Dyulino nach Gyulyovtsa - 24Km (2342Km)
Montag, 01.10.2012
Es ist Montag und keiner hat's gemerkt.
So schön das Meer ist, umso schöner ist die Ruhe hier auf dem Land.
Wir frühstücken über 2h. Zusammen machen wir den ganzen Topf Milch alle und ich lerne meine ersten bulgarischen Worte.
Seine Mutter ist 86, topfit und schwört auf die Milch welche sie jeden morgen mit eigenen Händen melkt.
Sie ist nie krank.
Zum Abschied bekomme ich noch ein Lunchpaket bestehend aus Brot, frischen selbstgemachten Käse und Gurken und Tomaten aus dem Garten.
Mit gut 1,5Kg mehr auf dem Rücken geht es nun weiter.
Was für ein wunderschöner Weg heute. Ich bin so dankbar.
Bleibe oft stehen und schaue einfach nur in die Landschaft.
Ich habe das Gefühl die Straße und die Bäume wussten dass ich hier irgendwann einmal entlang kommen werde. Sie haben auf mich gewartet.
Plötzlich fährt der Wind durch die Blätter und sie bewegen sich auf und ab. Als ob sie sagen: Ja, wir haben auf Dich gewartet.
Ich spreche nicht zu den Bäumen, ich spreche mit ihnen.
Es geht noch einmal 9Km bergauf und anschließend wieder bergab.
In Gyulyovtsa angekommen mache ich erst einmal eine Pause.
Ich finde eine Quelle mit herrlich frischem Wasser.
Wenige Meter weiter am Ortsanfang komme ich zu einem Supermarkt. Auf meine Frage ob es ein Hotel/Pension oder ähnliches gibt heißt es: nein.
Auch ein Taxifahrer welcher gerade herein kommt bestätigt dies.
Ich bleibe vor dem Supermarkt sitzen. 1h lang. Ich will gerade wieder aufbrechen da spricht mich ein Mann an.
Er meint dass nur wenige Meter ausserhalb vom Ort ein Gasthaus ist.
Dort probiere ich es auch.
Nur lässt der Inhaber nicht davon ab dass das Zimmer 35Lev kostet. Kostenfrei ist da nichts zu machen.
Etwas geknickt mache ich mich vom Hof und laufe wieder in den Ort zurück. Unterwegs frage ich viele Anwohner nach einer Übernachtungsmöglichkeit.
Leider nichts.
Ich finde im Dorfzentrum ein großes Gebäude, vielleicht das Rathaus.
Es sendet WiFi aus, eine Quelle für Wasser befindet sich gleich daneben und sogar eine außen Steckdose ist vorhanden.
Essen habe ich noch genug aus meinem Lunchpaket von heute morgen.
Mehr brauch ich nicht.
Das Zelt ist schnell aufgebaut...
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